6.3 – Die Pest

Der Schwarze Tod

Die Pest wütete im Mittelalter ungleich schlimmer als das Coronavirus heute. Allein in Europa starben zwischen 1346 und 1353 schätzungsweise 25 Millionen Menschen an der Pest, ein Drittel der damaligen Bevölkerung! Da noch weitere Epidemien und Krankheiten das Volk heimsuchten, erholten sich die Dörfer und Städte nur langsam. Dr. P. Lorenz: Chur hatte 1750 eine Bevölkerung von wenig über 2000 Einwohnern.

Zeitliche Ausbreitung der Pest. Grün: geringe oder keine Ausbreitung.
Bild (Ausschnitt) Wikipedia

Das Mittelschanfigg wurde besonders stark heimgesucht. Die meisten Aufzeichnungen zu Peist sind durch die Dorfbrände vernichtet worden.

Ulrich Campell 1510-1582, der 200 Jahre später lebte, schrieb: «Die Pest wütete auch […] auch in den übrigen benachbarten Dörfern dieses Gerichts zweimal unheimlich grausam und derart heftig, dass – während noch vor wenigen Jahren die rätische und deutsche Sprache dort gleichermassen verbreitet waren – diese Generation, wenn es erlaubt ist so zu reden, durch die Seuche fast vollständig ausgelöscht wurde. Menschen des gleichen Alters, hauptsächlich Deutschsprachige, verlegten ihre Wohnsitze von anderswoher dorthin und wanderten ein, um die früheren Siedler abzulösen. Heute ist die rätische Sprache, die noch vor Kurzem ebenso verbreitet war wie die deutsche, beinahe ausgestorben und ausser Gebrauch gekommen. Zumindest sind heute nur noch wenige Einheimische am Leben, die Rätisch verstehen. Deutsch hingegen ist sehr lebendig, besonders in Peist, Molinis, St. Peter und Maladers. Anders in Castiel, Lüen und Calfreisen, wo bis anhin noch beide Sprachen gleich häufig benutzt werden.»

Als ob die Pest nicht genug Leid gebracht hätte, gab es zur selben Zeit noch Kämpfe zwischen den rivalisierenden Freiherren. Martin Bund beschreibt in seinem Buch Zur Besiedlungs- und Wirtschaftsgeschichte Graubündens im Mittelalter: «… Im Jahre 1352 – unmittelbar nach der ersten Pestepidemie – verwüsteten die Gefolgsleute der Werdenberger in ihrer Fehde mit den Belmontern Dörfer und Burgen, Äcker und Felder im Gebiet von Flims und der Gruob und äscherten die Stadt Ilanz ein.» Beide Geschlechter hatten Teilgebiete der Freiherren von Vaz geerbt. Die Freiherren verarmten, denn vom verbliebenen geplagten Volk gab es kaum noch Einnahmen. Ihre Besitzungen gingen an die Habsburger über.

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Im Jahr 1400 folgte in Europa eine weitere grosse Pestwelle, die letzte im Jahr 1722, danach traten in Europa nur noch Einzelfälle auf.