7.3 – Der Prättigauer Aufstand 1622

Nach dem Aussterben der Grafen von Toggenburg schlossen deren Untertanen im heutigen Graubünden am 8. Juni 1436 einen Bund, der gegenseitige Hilfe und ewige Ungetrenntheit der Teilnehmer vorsah. Beteiligt waren Belfort, Davos, Klosters, Castels, Schiers, Schanfigg (St. Peter), Langwies, Strassberg (Churwalden), Maienfeld und Neu-Aspermont. Das Bündnis richtete sich hauptsächlich gegen die Expansion Habsburgs nach Graubünden. Es hatte einen schweren Stand, denn das Prättigau wie das Montafon standen von 1477 bis 1649 gemeinsam unter der Herrschaft der Habsburger, einem Fürstengeschlecht aus dem heutigen Kanton Aargau, das bald einmal Österreich und weitere Ländereien beherrschte. Deshalb nannte man sie Österreicher.

Von 1618 bis 1639 (Bündner Wirren) stritten sich die Grossmächte um die Kontrolle der Bündner Alpenpässe und um die konfessionelle Ordnung in Graubünden. Es war die Zeit des Dreissigjährigen Krieges in Europa.

1621 besetzten österreichische Truppen das Prättigau. Die Ausübung des reformierten Glaubens wurde verboten. Die Prättigauer erhoben sich und vertrieben die fremden Truppen. Diese kehrten verstärkt zurück und eroberten erneut das Unterengadin, Davos und das Prättigau. Fast alle Dörfer wurden in Schutt und Asche gelegt, nur Fideris und Jenaz wurden verschont. Auf einer Wiese bei Raschnal, nahe dem Dorf Saas, wurden die Prättigauer trotz heldenhafter Gegenwehr von der grossen Menge der Feinde geschlagen. In Saas steht an der Dorfstrasse ein Denkmal, das an die Schlacht bei Aquasana von 1622 erinnert. Der folgende Winter ging als besonderer Hungerwinter in die Bündner Geschichte ein. Die Menschen hungerten, und zudem brach die Lungenpest aus. In den folgenden Jahren erneut! (Christian Hansemann)

Raschnal – Mülitobel – – Heute ist die Wiese teilweise überbaut.

Die Schanfigger wurden von den mit Habsburg verbündeten spanischen Truppen heimgesucht. Sie vermochten sich nicht rechtzeitig zu sammeln, flohen bergwärts und mussten zusehen, wie Dorf um Dorf verbrannt wurde, von Maladers bis Peist. In Peist war es der erste aufgezeichnete Dorfbrand. Der zweite war 1749, der dritte 1874.

Die französischen Truppen standen den österreichischen entgegen, und die widerspenstigen Bergler und die Alpenübergänge setzten den Besatzungstruppen dermassen zu, dass sich der Zehngerichtenbund im Jahr 1649 von Österreich loskaufen konnte. Die Menschen in unseren Tälern erlebten allmählich bessere Zeiten.