{"id":2168,"date":"2021-02-25T16:30:08","date_gmt":"2021-02-25T16:30:08","guid":{"rendered":"https:\/\/walsermundart.ch\/?page_id=2168"},"modified":"2022-03-18T08:46:37","modified_gmt":"2022-03-18T08:46:37","slug":"22-altes-geht-verloren","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/walsermundart.ch\/?page_id=2168","title":{"rendered":"2.13 &#8211; Sorge um den Dialekt"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/walsermundart.ch\/?page_id=360\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Pfeil-zurueck-mini-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6871\" width=\"109\" height=\"70\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-red-color has-text-color\" style=\"font-size:40px\"><strong>Carl Miville<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Carl Miville gilt als ausgewiesener Dialektkenner. Er sagt u.a. Folgendes (Radio srf, 19. Juni 2016):<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:30px\"><strong>\u201eDialekte wandeln sich nicht, sie sterben!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weil st\u00e4ndig W\u00f6rter und grammatische Formen aus dem Hochdeutschen in den Dialekt eindringen, verliert der Dialekt schleichend an Substanz. So werden immer mehr hochdeutsche Elemente Teil des Dialekts. Was als Dialektwandel bezeichnet wird, ist in Wahrheit ein Dialektsterben. Englische W\u00f6rter gef\u00e4hrden den Dialekt viel weniger als hochdeutsche W\u00f6rter, denn sie sind eindeutig als Fremdw\u00f6rter erkennbar. Und wenn sie sich lange genug halten k\u00f6nnen, so wie die franz\u00f6sischen Lehnw\u00f6rter exg\u00fcsee und Trottoir, werden sie zu einem Teil des Dialektes.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color\"><a href=\"http:\/\/www.srf.ch\/kultur\/gesellschaft-religion\/sechs-gruende-warum-dialekte-beschuetzt-werden-muessen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">http:\/\/www.srf.ch\/kultur\/gesellschaft-religion\/sechs-gruende-warum-dialekte-beschuetzt-werden-muessen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-green-cyan-color has-text-color\">Kids &#8211; Chind<br>Hacker &#8211; Hacker (Holzhackr)<br>Download &#8211; aprlad\u00e4<br>live &#8211; l\u00e4big, grad jetz, ooni z v\u00e4r\u00e4nd\u00e4r\u00e4<\/p>\n\n\n\n<p>Die Walserdialekte werden nicht nur durch das Hochdeutsche bedr\u00e4ngt, sondern auch durch die Dialekte aus der Nachbarschaft und dem Unterland. In Klosters-Davos gibt es eine M\u00e4nnervereinigung, die sich <em>Wildmannli Tafel uf Tafaas<\/em> nennt. Wenn schon, dann: <strong>Wilt M\u00e4nnli Tafl\u00e4 uf Tafaas<\/strong>. Allerdings ist Tafl\u00e4 bei uns kein Tisch. Der zust\u00e4ndige Vertreter des Vereins will den Vereinsnamen nicht \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:42px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-red-color has-text-color\" style=\"font-size:40px\"><strong>Pedro Lenz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sorge tragen zu unserem Dialekt! Pedro Lenz, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schweiz\">Schweizer<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schriftsteller\">Schriftsteller<\/a>, schreibt dazu in der S\u00fcdostschweiz vom 8. Mai 2016:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWarum haben wir so oft den Eindruck, wir Deutschschweizer seien weniger sprachgewandt als beispielsweise die Deutschen? Weil wir uns mit den Deutschen sprachlich in ihrer und nicht in unserer Sprache messen. Wir tun, als w\u00e4re Deutsch unsere Sprache und die Mundart eine heimelige Variante davon. Das ist vollkommen falsch, weil es sich genau umgekehrt verh\u00e4lt: <strong>Die Mundart ist unsere Sprache<\/strong>, und das Hochdeutsche ist eine angelernte Variante davon. Erst wer das erfahren und akzeptiert hat, kann <strong>seine Sprachkompetenz ohne Komplexe ausleben und verbessern.<\/strong> Doch so lange wir glauben, unsere richtige Sprache sei Hochdeutsch und jede Mundart sei h\u00f6chstens eine Hilfssprache, beherrschen wir weder die eine noch die andere Sprache vollst\u00e4ndig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:41px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-red-color has-text-color\" style=\"font-size:40px\"><strong>Erika H\u00f6ssli: Sterbende W\u00f6rter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Erika H\u00f6ssli von Spl\u00fcgen hat ein <strong>Lexikon der sterbenden W\u00f6rter<\/strong> verfasst mit dem Titel <strong>\u00c4s \u00c4\u00e4li<\/strong> (Walservereinigung Graub\u00fcnden 2007). Diese Lekt\u00fcre kann allen ans Herz gelegt werden, die sich mit unseren Dialekten befassen. \u00c4hnlich wie im Schanfigg, ist die Bev\u00f6lkerungszahl im Rheinwald gar klein und der Wortschatz der Walser sehr gef\u00e4hrdet. Kleine Kostproben:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026 Gemschipoppi \u2026: \u2026 Wier l\u00e4b\u00e4 ja au nid in H\u00f6\u00f6len\u00e4 oder in N\u00e4schti und ch\u00f6nn\u00e4 nisch nu verschteck\u00e4, wil wer guet repl\u00e4 ch\u00f6nn\u00e4 und \u00fcns F\u00e4ll fels\u00e4farbigs ischt, \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcns Gotti ischt d Poschthaalteri gsi und \u00e4\u00e4s hed au zweimal im Tagg d Poscht vertreit.<\/p>\n\n\n\n<p>Uf \u00e4m M\u00e4scher va \u00fcnschem Of\u00e4benkli lid \u00e4s n\u00fc\u00fcs Poppi, \u00fcns j\u00fcngscht Schweschterli, igf\u00e4\u00e4schets in \u00e4s himmelblaaws Umschlaggtuech.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4 Schtuck innerzu\u00e4 \u00e4m Doorf hirtet der \u00d6\u00f6hi Schorsch ob der Schtraass schiis Vee.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-red-color has-text-color\" style=\"font-size:35px\"><strong>Einfl\u00fcsse von aussen, Nachl\u00e4ssigkeit im Inneren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einige W\u00f6rter vergehen, weil die T\u00e4tigkeit nicht mehr ausgef\u00fchrt wird: vrhischt\u00e4 (Heu zum Trocknen aufh\u00e4ngen), r\u00f6\u00f6z\u00e4 (Hanf w\u00e4ssern), h\u00e4chl\u00e4 (Hanf oder Flachs bearbeiten), andere gehen aus R\u00fccksichtnahme auf die Gespr\u00e4chspartner verloren, aus Gleichg\u00fcltigkeit oder gar aus Angst, ausgelacht zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie stark der Dialekt in jungen Jahren gepr\u00e4gt wird, h\u00e4ngt von mehreren Einfl\u00fcssen ab:<\/p>\n\n\n\n<p>Kommt ein <strong>Elternteil<\/strong> aus einem anderen Sprachgebiet, ist es nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass die Kinder zu Hause den hiesigen Dialekt sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am <strong>Fernseher<\/strong> h\u00f6ren die Kinder vielleicht nie den einheimischen Dialekt. Sie h\u00f6ren <strong>Tontr\u00e4ger<\/strong> mit fremdem Dialekt oder Schriftdeutsch, M\u00e4rchen und Kasperligeschichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im <strong>Kindergarten<\/strong> h\u00f6ren sie fremde Dialekte und erst recht ausw\u00e4rts beim Besuch der <strong>Oberstufe<\/strong>, wo sie wegen ihres Dialekts von \u201eHinderpagiig\u201c auffallen oder ausgelacht werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lehrpersonen<\/strong> sprechen einen anderen Dialekt. Machen die Jugendlichen ihre <strong>Berufslehre<\/strong> im \u201eUnterland\u201c, kommen fast zwangsl\u00e4ufig neue W\u00f6rter hinzu und treten an die Stelle der alten.<\/p>\n\n\n\n<p>Junge und Alte kommen mit dem <strong>Tourismus<\/strong> in Kontakt und meinen, sie m\u00fcssten sich sprachlich <strong>anpassen<\/strong>. Oder der Dialekt als Kulturgut bedeutet ihnen nicht viel, sie sind <strong>zu wenig kritisch<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:36px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-red-color has-text-color\" style=\"font-size:40px\"><strong>Leonie Barandun-Alig<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Leonie Barandun-Alig<\/strong> ist sehr verbunden mit ihrem Obersaxer Dialekt und sagt in der Sendung Schnabelweid von srf vom 18.04.2019: <strong>D Lit \u00fcsama \u00e0ndara Kantoo p\u00e0ssant schi miar jo mit reda au net \u00e0, n\u00fc as i schii bessar varscht\u00e0\u00e0 taati.<\/strong> Hier ein kurzer Ausschnitt:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Barandun-laut-allein.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p>Die ganze Sendung ist erreichbar \u00fcber folgenden Link:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color\"><a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/play\/radio\/dini-mundart-schnabelweid\/audio\/vum-gaa-wema-net-pliba-chann?id=9037429c-5b76-4fc7-b323-0122a9016ca3\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abVum Gaa, wema net pliba chann\u00bb &#8211; Radio &#8211; Play SRF<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Das <strong>Oberwallis<\/strong> m\u00fcsste uns ein Vorbild sein. Es kann ja nicht sein, dass wir die Z\u00fcrcher nachzuahmen versuchen, damit uns die Berner besser verstehen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:37px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-red-color has-text-color\" style=\"font-size:35px\"><strong>g\u00e4- als Vorsilbe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Den gr\u00f6ssten Einfluss haben die an das Siedlungsgebiet der Walser <strong>angrenzenden Dialekte<\/strong>. Ein Sprachmerkmal des Schanfiggs und des mittleren und inneren Pr\u00e4ttigaus sind insbesondere die <strong>ge-<\/strong>Formen des Partizips (Partizip Perfekt \u2013 Mittelwort der Vergangenheit). Schon allein an den fehlenden <strong>g\u00e4-<\/strong> erkennt man, ob der hiesige Walserdialekt zumindest teilweise verloren gegangen ist. Die Vorsilbe g\u00e4- ist immer unbetont.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Seite-34-b.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2188\" width=\"810\" height=\"291\" srcset=\"https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Seite-34-b.jpg 860w, https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Seite-34-b-300x108.jpg 300w, https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Seite-34-b-768x276.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 810px) 100vw, 810px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die <strong>g\u00e4<\/strong> stehen vor den Konsonanten <strong>b, d, p, t, z<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vor den \u00fcbrigen Konsonanten steht laut der Empfehlung zum Schreiben von Dialekttexten nur ein <strong>g<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p><em>gch\u00fcnt, gfaar\u00e4, gh\u00f6\u00f6rd, gnuun, grung\u00e4, gs\u00e4id, gvi\u00e4rtl\u00e4d, gwunk\u00e4, <\/em>vor Vokalen und Umlauten ein <strong>gg<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p><em>ggaab\u00e4r\u00e4d, ggerbt, ggimpft, ggoos\u00e4d, gguut\u00e4r\u00e4d<\/em>, gg\u00e4in\u00e4d, also immer dann, wenn das <strong>\u00e4<\/strong> entbehrlich oder unpassend ist. Das g entf\u00e4llt vor q, in der Regel ist es ein Fremdwort: <em>\u00c4r hed dr Di\u00e4nscht quiti\u00e4rt<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal kann es entgegen dieser \u00abRegel\u00bb ein Bed\u00fcrfnis sein, gg zu schreiben, um den starken Gaumenlaut anzuzeigen: gglengg\u00e4, ggmuul\u00e4d, ggrupft, ggloff\u00e4, ggm\u00e4ind, ggrab\u00e4, gguggsch\u00e4, gglitt\u00e4. Viele solcher W\u00f6rter sind in \u00abPr\u00e4ttigauer Geschichten\u00bb und in \u00abL\u00e4sibl\u00fcescht\u00bb zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-red-color has-text-color\" style=\"font-size:35px\"><strong>Verarmung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Versuchen wir, W\u00f6rter weiter zu entwickeln, k\u00f6nnen wir von einer Bereicherung sprechen, k\u00fcrzen wir bestehende W\u00f6rter nur ab, ist es eine Verarmung. Da und dort werden W\u00f6rter zusammengezogen, ein Entgegenkommen an die schnelllebige Zeit. Verarmung gibt es auch im Schriftdeutschen, so lesen wir in der Schweizer Familie 2020, Nr. 49: &#171;Es zeugt von nicht sehr gepflegtem Schreibstil, wenn wir solches zu lesen bekommen wie <strong><em>mal runterschauen; wenn wer was essen will, soll er reinkommen<\/em><\/strong>&#171;.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Seite-36-a.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2189\" width=\"658\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Seite-36-a.jpg 721w, https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Seite-36-a-300x97.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 658px) 100vw, 658px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die rot geschriebenen Abk\u00fcrzungen sind nicht wohltuend f\u00fcr das Ohr, sie sind auch im Schriftdeutschen nicht vorhanden.  Hingegen heisst es &#171;zur Buche&#187;, &#171;beim Haus&#187;, im Dialekt <strong>zur <\/strong>Bu\u00e4ch\u00e4, <strong>zum<\/strong> Toor, <strong>im <\/strong>Hoof, <strong>am <\/strong>B\u00fc\u00e4l, <strong>bim<\/strong> Huus<strong>.<\/strong> Eine Besonderheit: Schi chom\u00e4nd <strong>van<\/strong> Alp. Der Artikel wird nicht gesprochen. Diese Formulierung gilt nur f\u00fcr den Tag der Alpentladung.<\/p>\n\n\n\n<p>Arnold Dicht schreibt in der Davoser Zeitung in seinem dritten Beitrag \u00abDi guot aalt Ziit\u00bb vom 13. Oktober 2015:<em> <strong>In dr<\/strong> Chuchi<\/em>. Und Stud\u00e4fridli: \u00e4 Stuck <strong>van dr<\/strong> Bibli. Hans Plattner: <strong>In dr<\/strong> Pulscha. T\u00fcrligiiger: <strong>van dr Muoter<\/strong>, <strong>in dr<\/strong> Neehi <strong>van dr<\/strong><br>Chilcha. Martin Schmid &#171;Us em Underschnitt&#187;: <strong>in dr<\/strong> Furja. Fl\u00fcgg vam B\u00e4rg: <strong>van dr<\/strong> \u00fcbrig\u00e4 Henn\u00e4schaar, <strong>in dr<\/strong> Fiderscher Au.<\/p>\n\n\n\n<p> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-red-color has-text-color\" style=\"font-size:35px\"><strong>Eigenheiten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eigenheit im Vals:<\/p>\n\n\n\n<p>Paul Zinsli in Walser Volkstum Seite 163: Im Vals ist aus <strong><em>triich\u00e4<\/em><\/strong> trinkch\u00e4 geworden, w\u00e4hrend <strong><em>stiich\u00e4<\/em><\/strong> (stinken) noch gesprochen wird (1986).<\/p>\n\n\n\n<p>Eigenheit in Davos:<\/p>\n\n\n\n<p>Aus <strong>\u00fcberchoon<\/strong> wird da und dort <em>berchoo<\/em>. Man findet es selten als geschriebenes Wort. Im Davoser W\u00f6rterbuch steht uberch\u00f3 und ubrcho. Martin Schmid \u00abUs em Underschnitt\u00bb schreibt ubercho und \u00fcbercho. <em>berchoo<\/em> ist aus dem Unterland \u00fcbernommen worden: <em>Si h\u00e4d s bechoo<\/em>. (Sendung srf, Schnabelweid, vom 14. Januar 2021: Die Sprache wird unterwandert.)<\/p>\n\n\n\n<p>Eigenheiten im Raum K\u00fcblis:<\/p>\n\n\n\n<p>1. Anstelle von <strong>\u00fcns<\/strong> h\u00f6rt man, wenn auch nicht oft, \u00fcnsch\u00e4s. Fient hat <em>\u00fcnsch\u00e4s<\/em> nie gebraucht. Fient in Stud\u00e4fridli: Jetz is <strong>\u00fcns<\/strong>, \u2026 <strong>\u00fcns <\/strong>Vehli, \u2026 <strong>\u00fcns<\/strong> Vaterland. Sowohl im Pr\u00e4ttigauer W\u00f6rterbuch als auch im Davoser W\u00f6rterbuch steht: <strong>\u00fcnsch\u00e4, \u00fcnschi, \u00fcns <\/strong>(Possessivpronomen), unser, unsere, unser; <em>\u00fcnsch\u00e4 L\u00f6ffel, \u00fcnschi Gabl\u00e4, <strong>\u00fcns<\/strong> Messer, <\/em>Mz.: <em>\u00fcnsch L\u00f6ffel, \u00fcnsch Gabl\u00e4, \u00fcnschi Messer. <\/em>\u00dcnsch\u00e4s ist aus dem Unterland \u00fcbernommen worden:<em> \u00dcs\u00e4s Grosi.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Monsteiner-Bier-uens-Wasser-d2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4552\" width=\"833\" height=\"93\" srcset=\"https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Monsteiner-Bier-uens-Wasser-d2.jpg 849w, https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Monsteiner-Bier-uens-Wasser-d2-300x34.jpg 300w, https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Monsteiner-Bier-uens-Wasser-d2-768x87.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 833px) 100vw, 833px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>2. Aus <strong>schiin<\/strong>, <strong>schiini<\/strong>, <strong>schiis<\/strong> wird da und dort <em>imsch\u00e4 <\/em>und<em> imschiin\u00e4 <\/em>(ihm seiner) und erscheint, vereinzelt allerdings, nur im Raum K\u00fcblis, nicht aber in T\u00e4lfsch und Luzein. Diese Wortverbindung stammt auch aus dem Unterland: <em>Imsiis <em>Grosi<\/em><\/em>, <em>imsiin\u00e4 Grosspapi<\/em>,<em> imsiini Guetzli .<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Einige Textbeispiele mit <em>schiin, schiim, schiini, schiin\u00e4r\u00e4, schiis<\/em> usw.:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u2026 zu <strong>schim<\/strong> Wiib \u2026 .<\/em> (Margrith Ladner-Frei, Gr\u00fcsch\/Schiers, \u00abDr Morgetmuffl\u00bb in Pr\u00e4ttiger Gschicht\u00e4)<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u2026 <strong>schiin<\/strong> Ziggori\u00e4ggaffi<\/em>, \u2026(Eva Bardill, Gadenst\u00e4tt, Pany, \u00ab\u00c4s Gschenk van Basel\u00bb in L\u00e4sibl\u00fcescht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026<em> va waa \u00e4r <strong>schiini<\/strong> Zipfelchapp\u00e4 b\u00e4ziehi<\/em>, \u2026 (Fluri Aliesch, Luzein, Kolumne im P&amp;H vom 21.02. 2012.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u2026 va <strong>schiim<\/strong> Gh\u00fclf <\/em>\u2026 (Ina Zweifel-Disch, K\u00fcblis, \u00abDr Bir\u00e4bomm\u00bb in L\u00e4sibl\u00fcescht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026 hinder <strong>schim<\/strong> R\u00fcgg \u2026 (Anita Hansemann, T\u00e4lfsch, \u00abDs H\u00e4rzmedaillon\u00bb in L\u00e4sibl\u00fcescht)<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026 va <strong>schiim<\/strong> \u00c4tti, \u2026 (Marina Egli, Pany, \u00abUschi Ungfraut\u00bb, in L\u00e4sibl\u00fcescht) <\/p>\n\n\n\n<p>Der Naachpuur hed mr <strong>schiin <\/strong>H\u00fclf angetrage, &#8230; <strong>schiin <\/strong>Aarbet, <strong>schii<\/strong> Ch\u00fce <strong>schiin <\/strong>Tieri, <strong>schiin <\/strong>Eeni, schiin, schii, schiis, schii(n), &#8230; (Davoser W\u00f6rterbuch)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Anstatt <strong>schii t\u00fc\u00e4 n\u00fc\u00fcd<\/strong><\/em> h\u00f6rt man vereinzelt <em>schii <strong>techi<\/strong> n\u00fc\u00fcd<\/em>. (Herkunft unbekannt)<\/p>\n\n\n\n<p>Im Walserdeutsch kann man kaum eine Ver\u00e4nderungen als eigene Sprachentwicklung bezeichnen. Aus <em>Herr Jesus<\/em> wird <em>Herrjee <\/em>und<em> h\u00e4rj\u00e9s\u00e4s.<\/em> Findet man das Wort <em>vrflu\u00e4cht<\/em> als zu grob, entsteht <em>vrflu\u00e4m\u00e4d<\/em>, nicht nur bei den Walsern. Nach dem heutigen Sprachempfinden sind einige W\u00f6rter von fr\u00fcher verp\u00f6nt, weshalb die Verkleinerungsform gew\u00e4hlt wird: <em>chotz\u00e4<\/em> ist zu <em>ch\u00f6tzl\u00e4<\/em> geworden, <em>brunz\u00e4<\/em> zu <em>br\u00fcnzl\u00e4<\/em>, andere von aussen hergeholt: <em>schiiss\u00e4<\/em> zu <em>gg\u00e4gg\u00e4l\u00e4<\/em>. Im Umgang mit dem Vieh werden die alten W\u00f6rter nicht als anst\u00f6ssig empfunden. D Chu\u00e4 n\u00fcmmt <em>\u00e4 Schnor\u00e4<\/em> voll, schi <em>schiisst<\/em> in da Hoof, schi <em>brunz\u00e4d<\/em> dm Chalb \u00fcber d\u00e4 <em>Grind aab<\/em>. Sonst gibt es bei uns in allen Lebensbereichen wohl nur das Fallenlassen bisheriger W\u00f6rter, um sie durch fremde zu ersetzen, es sei denn, wir z\u00e4hlen Zusammensetzungen dazu wie <em>d\u00e4\u00e4r Schnudrgoof<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"610\" height=\"344\" src=\"https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Sturm-bearb.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2190\" srcset=\"https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Sturm-bearb.jpg 610w, https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Sturm-bearb-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 610px) 100vw, 610px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Den entglittenen Schirm kann man zur\u00fcckholen. Vernachl\u00e4ssigte W\u00f6rter sind verloren, sie werden durch fremde ersetzt, bis man keine eigenen mehr hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Im Sinne von Carl Miville, Pedro Lenz, Erika H\u00f6ssli und Leonie Barandun-Alig:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color\" style=\"font-size:47px\"><strong>Besser hinh\u00f6ren,<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-vivid-cyan-blue-color has-text-color\" style=\"font-size:47px\"><strong>bewusster sprechen!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/walsermundart.ch\/?page_id=360\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Pfeil-zurueck-mini-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6871\" width=\"107\" height=\"69\"\/><\/a><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Carl Miville Carl Miville gilt als ausgewiesener Dialektkenner. Er sagt u.a. Folgendes (Radio srf, 19. 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Weil st\u00e4ndig&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2168","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/walsermundart.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2168","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/walsermundart.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/walsermundart.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/walsermundart.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/walsermundart.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2168"}],"version-history":[{"count":48,"href":"https:\/\/walsermundart.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2168\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7047,"href":"https:\/\/walsermundart.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2168\/revisions\/7047"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/walsermundart.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2168"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}