{"id":6248,"date":"2022-02-21T06:19:32","date_gmt":"2022-02-21T06:19:32","guid":{"rendered":"https:\/\/walsermundart.ch\/?page_id=6248"},"modified":"2022-08-08T08:24:59","modified_gmt":"2022-08-08T08:24:59","slug":"6-8-padrutt-donau","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/walsermundart.ch\/?page_id=6248","title":{"rendered":"6.08 &#8211; Padrutt Donau"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/walsermundart.ch\/?page_id=399\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Pfeil-zurueck-mini-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6871\" width=\"105\" height=\"68\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Aufzeichnung von1969, gek\u00fcrzt: Am 15. M\u00e4rz 1876 bin ich, B\u00fcrger von Pagig<a> <\/a>und L\u00fcen, als Sohn des Georg Donau und der Maria Hold aus Arosa, in Arosa auf der Egga &#8211; im heutigen Schanfigger Heimatmuseum &#8211; geboren: Im Winter 1883\/84 besuchte ich die 1. Klasse in Pagig, da in Arosa ausser mir nur ein schulpflichtiger, Knabe &#8211; Chrischta Marugg, Leinegga-Hitti genannt &#8211; lebte. So wurde in diesem Winter in Arosa nur dieser Knabe von Luzi Brunold unterrichtet. Im Winter 1884\/85 gar hielt man in Arosa keine Schule. Chrischta Marugg besuchte die Schule in Langwies unter Luzi Hold, ich dagegen jene in Pagig.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Bau der Strasse Langwies-Arosa im Jahre 1888 nahm es mit dem Saumverkehr ein Ende. Bis dahin hatte t\u00e4glich ein Postbote den Weg vom Postb\u00fcro in der Seegrube nach Langwies gemacht. Er wurde der &#8218;Bott&#8216; genannt. Auch die Zusennen in den Churer Alpen saumten fast t\u00e4glich die Molchen nach Langwies und abends Ware nach Arosa hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Sieben- und Achtj\u00e4hriger verdiente ich mir w\u00e4hrend des Sommers im Hotel Waldhaus als Kegelbub einige Franken. Dabei hatte ich noch die Aufgabe, die K\u00fche des Besitzers auf die Weide im M\u00fchleboden zu treiben und abends wieder in den Stall.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Fr\u00fchling 1885 zog die Familie nach Churwalden, um dort eine Pacht zu \u00fcbernehmen. Doch schon ein Jahr sp\u00e4ter zogen wir nach Masans hinunter, wo mein Vater das Heimwesein &#8218;Alte Sonne&#8216; gekauft hatte. So besuchte ich denn 1886\/87 die Unterschule und 1887\/88 die Masanser Oberschule. Bald darauf verkauften die Eltern das Masanser Heimwesen und zogen nach Pagig. Im Fr\u00fchling 1889 zogen wir nach Obertschappina. 1890\/91 besuchte ich an der Kantonsschule die 2. Klasse der Realabteilung. Die Rh\u00e4tische Bahn existierte damals noch nicht, und so musste die Reise in die Stadt und die R\u00fcckkehr in die Ferien nach dem Heinzenberg jeweilen zu Fuss bew\u00e4ltigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Herbst 1892 begab ich mich nach Rom, um im Hotel Eden eine Kellnerlehre anzutreten. Nach Abschluss der Lehre, im Fr\u00fchling 1894, verliess ich Rom und reiste nach Paris, ohne indessen eine Stelle in Aussicht zu haben. Am ersten Tage ging ich nur immer die Strasse auf und ab, aus Furcht, mich in der Grossstadt zu verlieren. Nach etwa zehn Tagen fand ich in einem \u00e4lteren Hotel eine Stelle als Officier zum Abwaschen des Fr\u00fchst\u00fcckgeschirres, des Besteckes und der versilberten Platten. Ausser der Abwascherei hatte ich nachmittags jeweilen im Keller Flaschen zu reinigen und Wein abzuf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"510\" height=\"476\" src=\"https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Europa-Stationen-Donau-Namen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5746\" srcset=\"https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Europa-Stationen-Donau-Namen.jpg 510w, https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Europa-Stationen-Donau-Namen-300x280.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><figcaption>Stationen im Leben von Padrutt Donau<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Fr\u00fchling 1895 wollte ich wieder weiterreisen. Ich k\u00fcndigte meine Stelle, die ich vierzehn Monate lang versehen hatte, und fuhr nach London. Es gab damals zahlreiche Platzierungsb\u00fcros. Nach einigen Tagen fand sich eine Stelle als Bedienter bei einer Herrschaft in Dublin. Meine Kenntnisse der englischen Sprache resultierten aus zehn Privatstunden zu zwanzig Rappen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich sp\u00e4ter jene Stelle wechseln wollte, trug mir die Dame eine gute Stelle im Haushalt ihrer Tochter an. In deren grossem Hause in Bristol sollte ich nun als Butler funktionieren, ein ganz verantwortungsvoller Posten, f\u00fcr den ich aber fast zu jung war. Auch eine Farm war vorhanden, welche das Haus mit ihren Produkten belieferte. Im Fr\u00fchsommer wurde dann auf den verschiedenen, meist eingez\u00e4unten Wiesen das Heu eingebracht. Schon am fr\u00fchen Morgen ratterten die M\u00e4hmaschinen, von zwei Pferden gezogen, \u00fcber die Felder. F\u00fcr das Heu sind in England keine St\u00e4lle vorhanden. Es werden bei den Farmgeb\u00e4uden einfach grosse kegelf\u00f6rmige Tristen errichtet. Dar\u00fcber wird ein Dach aus Stroh geflochten. Das Futter wird den Tieren winters\u00fcber in offenen Bretterschuppen verabreicht. Die Schafe halten sich w\u00e4hrend des ganzen Jahres im Freien auf. Ich blieb zweieinhalb Jahre an dieser Stelle. Leider gab es mit den jungen Gehilfen im Haushalt immer wieder Schwierigkeiten, immer wieder musste Personal gewechselt werden, so dass ich schliesslich den Verleider bekam.<\/p>\n\n\n\n<p>1900 k\u00fcndigte ich meine Stelle und fuhr wieder nach London. Es fand sich eine neue Stelle bei einer reichen Amerikanerfamilie in Pau (S\u00fcdfrankreich). Ich war Leibdiener der alten Dame und hatte alles zu besorgen, was f\u00fcr sie in Betracht kam. Nat\u00fcrIich hielt sie sich noch ihre eigene Zofe. Ich begleitete die Dame zur Kur nach Vichy, an die Weltausstellung 1900 in Paris und in ein Ferienhaus in London.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem Besuch in der Heimat fand ich wieder eine Stelle in London. Meine Herrschaft besass ein Schloss, damals noch ohne elektrisches Licht. Sie verkehrte in den vornehmsten Kreisen, auch am englischen Hofe. Mehrmals begleitete ich die Herrschaft auf Reisen auf dem Kontinent, einmal zu einem l\u00e4ngeren Aufenthalt in Wiesbaden, einmal nach Paris, alsdann nach Venedig, Florenz und Mailand. Ich hatte meiner Herrschaft nun schon vier Jahre gedient. Ich hatte es gut und erhielt alles, was ich brauchte, nur die Entl\u00f6hnung war zu gering, Ersparnisse hatte ich jedenfalls noch keine machen k\u00f6nnen. So beschloss ich, die Stelle aufzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p>1905 fand ich eine neue Anstellung als Dolmetscher und Reisebegleiter beim Reiseb\u00fcro Cook, einem weltbekannten Unternehmen, das Filialen in vielen L\u00e4ndern besass. Meine Arbeitsorte waren London, Paris, Marseille, Dublin mit der internationalen Ausstellung, Mentone, Nizza und Br\u00fcssel mit der grossen Weltausstellung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"810\" height=\"516\" src=\"https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Geissegga-vielleicht-1950-red.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5747\" srcset=\"https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Geissegga-vielleicht-1950-red.jpg 810w, https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Geissegga-vielleicht-1950-red-300x191.jpg 300w, https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Geissegga-vielleicht-1950-red-768x489.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 810px) 100vw, 810px\" \/><figcaption>Foto etwa aus dem Jahr 1950. Hinter dem Wohnhaus das neue Bienenhaus. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>1912 wechselte ich wieder ins Hotelgewerbe, diesmal nach Stresa. Das Geld floss \u00fcberall reichlich, nur nicht in meine Tasche. Nach einem Aufenthalt am Heinzenberg zog es mich wieder weiter als Conci\u00e8rge nach Nizza, dann nach Luchon am Fusse der Pyren\u00e4en. 1914 brach der Erste Weltkrieg aus. So entschloss ich mich schliesslich, der ganzen Geschichte den R\u00fccken zu kehren und mich in die Heimat zur\u00fcckzuziehen, wo es viel Arbeit gab, die mich erf\u00fcllte. Seit der R\u00fcckkehr aus Frankreich bin ich nie mehr \u00fcber die Kantonsgrenze hinausgekommen. Am 2. April 1923 verheiratete ich mich mit Eva Brunold von Peist und gr\u00fcndete eine eigene Familie. Ich trat damit in den landwirtschaftlichen Betrieb der Familie meiner Frau ein und fand liebevolle Aufnahme. Mein langgehegter Wunsch, Bienenz\u00fcchter zu werden, durfte schliesslich auch in Erf\u00fcllung gehen. So f\u00fchlte ich mich im Schanfigg w\u00e4hrend meiner letzten vierzig Jahre gl\u00fccklich und hatte Freude an meiner Arbeit in der Landwirtschaft und der Bienenzucht. Und meine sechs lieben Enkel sorgen f\u00fcr Unterhaltung und Betrieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Eva Donau-Brunold, geb. 1888, gestorben1956, <\/p>\n\n\n\n<p>Padrutt Donau-Brunold, geb. 1876, gestorben 1969<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/walsermundart.ch\/?page_id=399\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/walsermundart.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Pfeil-zurueck-mini-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6871\" width=\"107\" height=\"69\"\/><\/a><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufzeichnung von1969, gek\u00fcrzt: Am 15. 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